Pflanzen und erste Schnittmaßnahmen

Nachdem der Baum oder die Bäume gepflanzt und auch angegangen sind, muss im Laufe der nächsten Jahre immer wieder geschnitten werden. Günstig ist, wenn man in der Baumschule vom Fachmann schon den ersten Schnitt zum Pflanzen machen lässt. Denn spätestens im nächsten Sommer muss beim Spalierobst der wichtige Grün- oder Sommerschnitt gemacht werden.
Anders ist es bei Spalierobstbäumen die man fertig als Kübelpflanzen im Gartencenter kauft. Hier muss man sich entscheiden, ob der Baum im Kübel bleiben soll, oder an einem Spalier in die Erde gepflanzt wird.

Beim Einpflanzen ist darauf zu achten, dass der Baum genauso tief eingepflanzt wird wie er vorher entweder in der Baumschule oder im Kübel in der Erde war. Auf keinen Fall darf die Veredlungsstelle, die meistens unten als so eine Art Verdickung zu sehen ist, mit Erde bedeckt sein.
Wichtig ist auch, dass die ausgesuchten Bäume oder der Baum nicht älter als zwei Jahre sind/ ist. Dann sind seine Zweige teilweise noch biegsam und ich kann sie in die gewünschte Richtung anbinden.

Die präzisen Schnittmaßnahmen für alle Arten von Spalierobst zu erklären ist so gut wie unmöglich. Denn wer vorher in Ruhe den 1. Teil gelesen hat, wird sicher bemerkt haben, dass auf Grund der vielfältigen Spalierobstformen ja auch die Schnittmaßnahmen abweichend sind. Denn mit dem Baumschnitt will ich ja die Richtung bestimmen, abhängig von dem Gerüst, an dem mein Spalierobstbaum wachsen und auch Früchte tragen soll.

Ganz einfach gesagt heißt das: Alle Schnittmethoden haben nur ein Ziel. Ich brauche Gerüstäste und an denen müssen sich Triebe bilden, die man zu Fruchttrieben umwandelt.

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Zwei Beispiele

Gekaufte Spalierobstbäume sind meistens so vorgezogen, dass sie einen kleinen Mitteltrieb, oder auch Stamm genannt, über den Veredlungsknoten haben. Die vorhandenen Äste zeigen meistens in einem ca. 45° Winkel nach Außen. Hier müssen die sich schnell verlängernden Äste wieder zurückgeschnitten werden, weil sie meistens schon zu stark und unbeweglich zum Biegen sind. Beim Schnitt ist es wichtig, dass immer nach einem Auge oder Blatt geschnitten wird, das nach Außen zeigt. Es sei denn, man will die Mitte am Spalier füllen. Dann nimmt man ein Auge, dass nach Innen zeigt.

Durch diesen Rückschnitt bilden sich neue Triebe an der Schnittstelle. Diese kann man dann in die gewünschte Richtung anbinden. Entweder in eine waagerecht Form oder in die U- Form. Aber auch hier darf man sie nicht zu lang wachsen lassen, damit sie stabiler im Durchmesser werden und erst nach und nach das Gerüst bedecken. Das sollen unsere Leitäste, oder auch Gerüstäste genannt, werden.

Im allgemeinen gilt die Faustformel: Bei schnell wachsenden Bäumen wird das Längenwachstum so gekürzt, dass nur 1/3 der neu gewachsenen Triebe stehen bleibt. Bei langsam wachsenden Bäumen wird nur 1/3 von der Spitze aus gesehen gekürzt, sodass noch 2/3 des neuen Triebes stehen bleiben. Dadurch bekommt man ein ungefähres Gleichgewicht zwischen Längenwachstum und den Neuaustrieb an den Ästen.

Diese Neuaustriebe an den Ästen sollen zu Fruchtholz umgebildet werden. Und da geht es jetzt los mit dem für Spalierobst wichtigen Grün- oder Sommerschnitt. Diese Neutriebe werden Ende Juni Anfang Juli nach dem achten Blatt abgeschnitten. Man kann auch Auge sagen, denn in jeder Blattachse steckt ein Auge. Im Laufe des Sommers werden sich meistens an dieser Schnittstelle neue, meistens zwei bis drei Triebe bilden. Man sagt dazu Besenwuchs. Sollten sie sehr schnell wachsen und lang werden, was oft bei Birnen passiert, dann werden diese auf fünf Blätter Mitte bis Ende Juli gekürzt.

Im August wird dann diese Neutriebe, der vorher auf acht Blätter gekürzt wurden, auf fünf Blätter mit samt dem Besenwuchs zurück geschnitten. Das Zurückschneiden von acht Blättern oder Augen im August auf fünf Blätter oder Augen wird auch gemacht wenn kein Besenwuchs gekommen ist.
Neuaustriebe, die weniger als acht Blätter haben, bleiben unbehandelt. Sie bilden im kommenden Jahr meistens schon Blüten. Alle Neuaustriebe die nach unten wachsen, kann man getrost bis an der Basis (am Ast) abschneiden oder raus drehen, wenn sie noch jung sind. Sie als Fruchtäste umzuwandeln gelingt fast nie.

Im Gegensatz zu der vorher beschriebenen Art besitzt der Schnurbaum einen Stamm oder Mitteltrieb genannt. Er hat also im Prinzip das Aussehen eines normalen Obstbaums mit den sogenannten Astquirlen. Der Unterschied besteht beim Schneiden eigentlich nur, dass man eine mittlere Astverlängerung (Stamm) zusätzlich zu den Ästen hat.

Jetzt muss man sich aber entscheiden, welche Form man jeweils erreichen will. Dementsprechend muss geschnitten werden. Das Beispielbild meiner Spalierbäume im Teil 1 zeigt die Form einer Pyramide bis sie dann oben in Richtung Gartenweg gezogen werden. Gemacht habe ich es deshalb, weil es dem Wachstum frei stehender Obstbäume sehr entgegen kommt. Denn von Natur aus bilden Obstbäume eine Pyramidenform. Unten breiter und nach Oben kleiner im Durchmesser.

Die Methode des Schneidens zwischen Längenwachstum an der mittleren Astverlängerung und Längenwachstum an den Ästen, die fast waagerecht sind, ist abhängig von der Art des Baums die gleiche. Durch das Kürzen der mittleren Astverlängerung wird der Baum angeregt, neue Äste entlang seines späteren Stamms zu bilden.

Die Äste, unsere Gerüstäste, müssen hin und wieder gestutzt werden. Sonst bekommt man nicht die eigentliche Pyramidenform und die Bildung von Trieben für das Fruchtholz wird sich kaum einstellen.
Durch das Schneiden auf den richtigen Augen, kann man die dann austreibenden Astverlängerungen lenken. Das heißt, die Verlängerung wächst in die Richtung, in der das Auge sitzt. Denn man muss bedenken, diese Art Spalierobstanbau ist auf engsten Raum gemacht. Der Abstand der Bäume beträgt knapp 2 m. Die unterste Grenze bei diesem Anbau beträgt 1,50 m.

Geht man also nicht konsequent beim Beschneiden der Astverlängerungen vor, verwachsen die Bäume miteinander. Eine gute Ernte wird sich nicht einstellen, denn wo keine Sonne und Luft durch kann, wird kein Obst reifen. Erfolg haben da nur Schädlinge und Baumkrankheiten.

Was Du noch beachten musst bei Spalierobst und ein paar Tricks erfährst Du im nächsten Teil.

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This article has 4 comments

  1. Edwin Reply

    Ich muss sagen ich habe einen rießen Garten aber garnichts angepflanzt. Es ist zwar trotzdem schön aber total langweilig. Normalerweise habe ich wirklich keine nerven für Gartenarbeit dh etwas zu pflanzen und mich dann darum zu kümmern. Aber diese Blogbeiträge ermutigen mich schon dazu mal etwas in diese Richtung zu probieren 🙂 . Ich würde sagen nächsten Frühling starte ich auch mal durch 😀 Danke für die tollen Tipps!

    • Gerhard Reply

      Hallo Edwin, danke für den Kommentar. Freut mich wenn ich Dir mit den Tipps auf meinem Blog einen kleinen Anstoß für die Gartenarbeit gegeben habe. Tipp von mir. Fange mit wenigen Beeten oder Anpflanzungen an. Steigern kann man sich immer noch. 😉

      LG Gerhard

  2. Jean Reply

    Ich habe es schon des öfteren versucht, meinen Pflanzen eine gewisse Richtung zu geben. Bisher hat das allerdings nur mäßig funktioniert. Ich hoffe dieser Artikel hilft mir und werde es auf jeden Fall weiter ausprobieren.

    • Gerhard Reply

      Danke für den Kommentar, Jean. Hier kann ich nur sagen, weiter machen. Auch bei mir hat nicht alles gleich geklappt. Demnächst kommt der letzte Teil mit ein paar zusätzliche Tipps. Vielleicht hilft es Dir weiter.

      LG Gerhard

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