Ertragreiche Obsternte-Was man wissen muss, bevor man anfängt

Zuerst bitte folgendes beachten. Alle Ratschläge, Schnittmaßnahmen usw. im folgenden Text beruhen auf meiner langjährigen Erfahrung als Kleingärtner. Das kann manchmal von Lehrbüchern, anderer Lektüre oder Quellen abweichen.

Was ist Spalierobst und wie sieht es aus?

Das ist eine Art Obstanbau, das vor ungefähr 100 Jahren ihren Höhepunkt hatte. Im Laufe der Zeit ist es immer mehr in Vergessenheit geraten. Durch Neuzüchtungen wurde es auch für den Kleingärtner interessanter, mit Bäumen die wenig Platz brauchen und weniger Arbeit machen, eine gewisse Menge an Obst zur Selbstversorgung jedes Jahr zu ernten.
Durch den kommerziellen Anbau in großen Obstplantagen wird zusätzlich das Obstangebot noch vergrößert. Spalierobst ist heute mehr ein Hobby oder für Kleingärtner die gerne etwas Neues probieren, wieder interessant geworden.

Die Baumschulen haben schon lange darauf reagiert und bieten fertige junge Spalierobstbäume an.
Man muss nur darauf achten, dass ihre vorgezogene Form auch so ist, wie man es später an seinem Spalier haben möchte. Ein Umformen ist schwer und muss sehr vorsichtig gemacht werden. Es ist und bleibt ein junger Baum und geht man zu schnell und zu heftig mit Schnittmaßnahmen vor, kann der Baum dabei absterben.

Spalierobst ist Formobst, mit dem man auf wenig Platz mehr Obstbäume pflanzen kann. Zum anderen trägt es zum schönen Aussehen eines Kleingartens bei.

Formen für Spalierobst sind vielseitig

Die wohl bekannteste Form ist das Spalier an einer Hauswand.
Man kann es aber auch erst als Säule und dann oben in eine Richtung lenken. So, entlang des Gartenwegs rechts und links gepflanzt, ergibt es einen überdachten Gang.
Eine andere Form ist sehr attraktiv am Ende des Gartenwegs, der 2 armige Schnurbaum. Hier wird der Baum in geringer Höhe mit zwei Ästen nach rechts und links gezogen, wie die Besielskizze zeigt. Der eigentliche Stamm wird nicht nach oben weiter gezogen. Bei dieser Form ist es aber möglich, den Trieb über dem Stamm weiter zu ziehen und eine weitere Etage in der gleichen Form anzulegen. Allerdings müssen dann auch die Haltevorrichtungen rechts und links höher sein, um den Spanndraht zu befestigen.

2 armiger Schnurbaum

Auch eine Spalierobstform von vielen, die man einfach oder auch vielfach gestalten kann, ist diese. Das sogenannte U – Spalier.

U - Spalier

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Aber auch solche Formen sind machbar, allerdings mit sehr viel Arbeit verbunden. Diese Formen sind mehr zur Schau gedacht. Große Ernte wird wohl ausbleiben.

 

Schlangenschnurbaum

Schlangenschnurbaum Quelle: Privatbild

Vasen- oder Becherform

Vasen- oder Becherform Quelle: Privatbild

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf die Vorbereitungen kommt es an

Wenn Du Dich für Spalierobst entschieden hast, musst Du Dir über folgendes im Klaren sein. Es ist mit viel Arbeit und Geduld verbunden und kann zu einem Hobby für Kleingärtner werden. Allerdings auch ein Hobby mit reicher Ernte und mit mehr oder weniger Platzbedarf.
Ohne Unterstützung durch ein Gerüst geht es nicht. Durch das Gerüst bestimmst Du die Form des zukünftigen Spalierobstes. Wichtig ist bei einem Gerüst an einer Hauswand, das es genügend Abstand hat. Nur so kann gewährleistet werden, dass zwischen Laub und Hauswand eine gute Belüftung ist.
Das Material für ein Gerüst sollte widerstandsfähig gegen das Wetter sein, da es ja für die gesamte Lebensdauer Deiner Spalierbäume immer da sein muss.

Du brauchst je nach Anzahl der Bäume Bindematerial. Normaler Bindedraht kann verwendet werden, jedoch musst Du ständig alle Bindestellen kontrollieren. Denn der Baum wächst ja nicht nur in die Höhe sondern die Äste und vor allem der Stamm werden ja auch im Umfang dicker. Gerade in den ersten Jahren ist dann mal ganz schnell das Bindedraht schon fast in der Rinde verschwunden. Man sagt dazu auch „Überwallen“. Kann man den Draht dann nicht mehr aus der Rinde entfernen, muss man ihn am Ast abschneiden. Der Drahtrest wird eines Tages nicht mehr zu sehen sein. Diese Methode ist jedenfalls besser, als ihn mit Gewalt heraus zu bekommen und eine Wunde an der Rinde in Kauf zu nehmen. Das ist, wie man weiß, immer eine Eintrittsstelle für Pilze oder andere Krankheitserreger.

Besser ist daher flexibles Bindematerial. Bewährt hat sich da Bindematerial aus Gummi, z.B. Rundschnüre oder Schlauchbänder. Trotzdem darf man auch da nicht die Aufsichtspflicht vernachlässigen. Sollten sich Bindestellen gelöst haben, kann es beim nächsten heftigen Wind zum Ausbrechen von Ästen kommen, die nicht zu reparieren gehen.

Obstbaumarten und was noch zu beachten ist

Am geeignetsten und auch am meisten verwendet man Apfel- und Birnensorten. Sie lassen sich problemlos mit waagerechten Fruchtästen ziehen. Aprikosen oder Sauerkirschen eignen sich nicht so gut. Sie würden schnell vergreisen, weil Spalierobst einer strengen Formierung unterliegt. Pfirsiche eignen sich eher für Hauswandspalier. Formierung bedeutet, dass ich durch Schneiden und das Anbinden am Gerüst die Form erhalten will, wie ich sie mir vorgestellt habe.

Je nachdem wie hoch meine Spalierbäume wachsen sollen, ob in normaler Höhe oder höher, muss ich auch die passenden Bäume haben. Für niedrige Spaliere brauche ich Obstbäume auf schwach wachsenden Unterlagen.
Dementsprechend muss ich Bäume auf mittelstark wachsenden Unterlagen haben, wenn das Spalierobst höher wachsen soll. Beachten muss ich auch beim Kauf, dass die kleinen Bäume einen kurzen Stamm haben, damit die erste Astetage nicht zu hoch angelegt wird.
Bei einer Baumschule wird das als Busch- oder Fußstamm angeboten. Ich rate deshalb, unbedingt bei einer Baumschule seine Vorstellungen vom künftigen Spalierobst zu schildern, damit nicht die falschen Bäume gepflanzt werden.

Brauche ich bestimmte Sorten

Du bestimmst ganz alleine, ob es frühreife oder spät reifende Obstsorten sein sollen. Genauso verhält es sich mit dem Geschmack.
Wenn man, wie ich es gemacht habe, mehrere Bäume pflanzt, sollte man schon darauf achten, dass es nicht ein und die gleiche Sorte ist. Wie Du auf dem Bild siehst, habe ich entlang des Gartenwegs 10 Spalierbäume zu stehen. Davon sind 4 Bäume bestehend aus 2 Sorten Birnen.

Die restlichen Bäume sind Apfelbäume. Davon sind 4 Bäume unterschiedliche Apfelsorten, die erst Ende September/ Anfang Oktober reifen. Also Lagerobst. Die übrig bleibenden 2 Bäume sind Klaräpfel, direkt zum Verzehr gedacht oder zur Verarbeitung als Marmelade oder Apfelmus.

Spalier als Wegüberdachung Quelle: Privatbild

Spalier als Wegüberdachung
Quelle: Privatbild

 

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This article has 6 comments

  1. Markus Reply

    Echt ein paar tolle Artikel habt ihr da auf eurem Blog – das muss ich wirklich sagen.

    Ihr habt es auch geschafft, mir endlich das letzte fehlende Stück Motivation zu geben, mir endlich Spalierobst in den Garten zu holen. Jetzt kann ich es wirklich kaum noch erwarten!

    • Gerhard Reply

      Na, dann mal los. Und immer dran denken, Geduld führt zum Erfolg. Demnächst nicht den letzten Teil verpassen. Da gibt es noch einige wichtige Tipps.

  2. Martin Reply

    Wir haben letzte Saison mit Spalierobst angefangen und waren mehr als überrascht davon, WIE ertragreich die Ernte schon diese Saison war. Haben dann gleich noch ein bisschen erweitert und weitere Pflanzen hinzugekauft!

    • Gerhard Reply

      Hallo Martin,
      das freut mich und ich wünsche viel Glück mit den neuen Bäumen.
      Danke für den Kommentar.

      LG Gerhard

  3. Judi Reply

    Was ist der unterschied von apfelspalier und apfelsäule? Kann ich aus einem apfelsäulenbäumchen auch ein spalier machen? Vielen Dank

    • Gerhard Minsel Reply

      Hallo Judi, der Unterschied besteht eigentlich nur beim Schneiden in den kommenden Jahren. Eine Säulenpflanze soll möglichst wenig Platz in Anspruch nehmen. Deshalb werden ihre Seitentriebe immer kurz gehalten. Beim Spalierobst versucht man durch das Schneiden eine Pyramidenform zu erhalten. Außerdem kann man bei jungen Bäumen die Leitäste durch Anbinden in eine bestimmte Richtung wachsen lassen. Beispiele kannst du im Teil 1 der Serie sehen. Man kann es natürlich auch mit einer jungen Säulenpflanze versuchen. Allerdings sollte man da nur Äste nehmen, die sich noch biegen lassen können.
      Ich hoffe, ich konnte dir damit die Frage beantworten.

      LG Gerhard

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