Einer dieser Maßnahme wird oft am Leittrieb, also dem Mitteltrieb, angewandt. Es passiert öfters, dass sich ein zweiter Leittrieb (Aftertrieb) bildet, der eventuell gerader wächst und so besser später am Gerüst angebunden werden kann. Da wird ein sogenannter „Schnitt auf Zapfen“ gemacht.

Erfolg hat das aber nur, wenn der zweite Trieb etwa Fingerlang ist. Nur dann lässt er sich in die Richtung biegen, in die man ihn haben möchte. Auf keinen Fall darf Druck ausgeübt werden, sonst ist der junge Trieb schnell ausgebrochen.
Hierzu wird der Ast, den man nicht mehr verwenden will, auf eine bestimmte Länge gekürzt. Am besten ist es, den anderen Ast vorher probeweise vorsichtig anzulegen. Dann kann man sehen wie lang der Zapfen werden muss, damit er seinen Zweck erfüllt.

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Schnitt auf Zapfen Quelle: Privatbild

 

* Wichtig ist dabei, dass an dem zukünftigen Zapfen alle Augen entfernt werden und eventuell später austreibende Triebe herausgebrochen werden.

 

* Außerdem muss der neue Leittrieb so dicht wie möglich am Zapfen angebunden werden. Im Spätherbst wird der Zapfen entfernt und zwar ganz dicht und etwas schräg an der neuen Verlängerung.

 

* Nach spätestens zwei Jahren ist die Stelle kaum noch zu sehen.

 

 

 

 

 

 

Es kann vorkommen, dass bei der Bildung der Astquirle ein Zweig nicht gebildet wird und somit eine leere Stelle entsteht. Richtig fällt das auf, wenn das Blattwerk voll ausgebildet ist und ein Loch zu sehen ist. Deshalb ist es wichtig, das Wachstum seiner Spalierbäume ständig zu beobachten um schnell einzugreifen.

Ich verrate Euch hier eine Methode, die kaum bekannt ist. Ich habe jedenfalls damit Erfolg gehabt. Und das ist der „Kerbschnitt“. Dieser Schnitt muss aber unbedingt im Sommer und bis spätestens im Herbst gemacht werden.
Zuerst müssen die darüber stehenden Zweige oder Zweig gekürzt werden. Je nachdem wieviel Ausfall zu sehen ist. So wird verhindert, dass sie weiter wachsen. Den dadurch entstehende Stau des Saftstroms nutzt man, um die schlafenden Augen zum Austrieb anzuregen.

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Kerbschnitt Quelle: Privatbild

Und so wird es gemacht:

Der erste Schnitt wird dicht über dem Auge gemacht, indem man das scharfe Messer ansetzt und durch die Rinde bis in das junge Holz hin und her wiegt. Nicht das Messer ziehen!
Der zweite Schnitt wird etwas über dem ersten Schnitt genauso tief gemacht, nur das er rechts und links nach unten am Ende des ersten Schnitts endet. Die Rinde und das Holz wird nun aus dem entstandenen Halbmond entfernt.
Das mittlere und das rechte Beispiel im Bild oben zeigen, wie es aussehen sollte. Welche der beiden Formen angewendet wird ist egal. Das hängt allein von Deiner Geschicklichkeit mit dem Messer ab.
Die Abbildung links im Bild, der kreuzförmige Schnitt, wird bei älteren Holz gemacht.

 

 

Sollte es vorkommen, dass man einen oder mehrere Äste ersetzen muss, weil sie sich nicht richtig bei der Bildung des Astquirls ausgebildet haben oder fehlen, dann kann man sich mit dem „Schnitt auf Beiaugen“ einen neuen Ast oder neue Äste ziehen. Der Vorgang sieht dann so aus, wie man es im Bild sehen kann.

Kurze Erklärung dazu:

Der Ast wird kurz hinter der Wölbung abgetrennt. Diese Wölbung nennt man Astring.
Der Erfolg dieses Schnittes beruht darauf, dass an jedem Astring sogenannte „Schlafende Augen“ vorhanden sind. Diese müssen wir zum Leben erwecken.
Machst Du es mit dem Messer, muss der Schnitt von unten nach oben gemacht werden.

Wird der Astring mit entfernt, ist alle Mühe umsonst!

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Schnitt auf Beiaugen Quelle: Privatbild

Wie auf dem Bild zu sehen ist, treiben an dieser Stelle nach und nach neue Triebe aus.

Logisch ist in diesem Fall, dass der äußerste linke Neutrieb, gekennzeichnet mit a 1, der Ersatzast werden soll.
Allerdings wird er nicht gleich die volle Größe wie die anderen Äste haben. Also Geduld ist angesagt, denn die Zeit heilt Wunden.
Die restlichen Triebe werden, wenn sie nicht gebraucht werden, entfernt. Fehlen noch weitere Äste, kann man auch noch den mit a 2 und a 3 in der Skizze  benannten Neuaustrieb verwenden. Man muss sie nur mit zusätzlichen Hilfsmitteln in die richtige Richtung lenken.

Mit dieser vierten Folge schließt nun die allgemeine Einführung in den Anbau von Spalierobst. Ich hoffe, ich konnte Dein Interesse für diesen Obstanbau wecken und Dir durch die Tipps die Angst nehmen.
Und wie ich schon am Anfang erwähnt hatte, auch ich habe mal angefangen und Fehler gemacht. Das wird nicht ausbleiben. Deshalb habe ich versucht, Dir in dieser Folge mit den Tipps und Tricks auch Wege zu zeigen, mit denen man Fehler beseitigen kann.

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This article has 4 comments

  1. Carina Reply

    Vom Kerbschnitt hatte ich tatsächlich noch nichts gehört. Das klingt auf jeden Fall vielversprechend. Ich werde das dieses Jahr noch ausprobieren. Mal schaun, wieviel Triebe ich rauskriege.

    • Gerhard Reply

      Hallo Carina,
      danke für den Kommentar. Probiere den Schnitt am besten vorher an einem Stück Ast, den Du beim Schneiden vielleicht abgeschnitten hast. Die Gefahr dabei ist beim zu tiefen Schnitt, dass es nicht gelingt. Sollte der Ast schon etwas dicker sein, dann wende den Kreuzschnitt an. Auf alle Fälle muss schon etwas vom Astansatz zu sehen sein, wie auf dem Bild dargestellt.
      Viel Erfolg wünsche ich Dir.
      LG Gerhard

    • Gerhard Reply

      Hallo Klaus-Dieter,
      Aber garantiert sind es nicht viel. 😉

      Danke für den Kommentar.

      LG Gerhard

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