Wieso erwähne ich jetzt zu der Jahreszeit, immerhin ist es Januar, den Obstbaumschnitt? Ganz einfach, weil man jetzt immer noch den Baumschnitt machen kann, sofern kein Frost droht. Was soll denn der Kleingärtner machen, der im Herbst des letzten Jahres nicht dazugekommen ist, seine Bäume zu schneiden? Aus welchen Gründen auch immer. Soll er die Bäume so lassen und abwarten bis zum Frühlingsschnitt? Kann er. Aber ob dann die Ernte so wird, wie im letzten Jahr?

Einen wichtigen Punkt muß man sich immer merken: Ein Baumschnitt im Herbst wird nie durchgeführt, wenn in zwei bis drei Tagen Frost vorhergesagt wird. Schon gar nicht wird geschnitten bei Frost, auch wenn es nur Nachtfröste gibt. Dann kann man seinem Baum richtigen Schaden zufügen. Wenn man dann mit der Schere schneiden will, wird kein sauberer Schnitt durchgeführt, sondern die Schnittstelle franst regelrecht aus. Hinzu kommt, dass der Baum nicht mehr die Schnittwunde schließen kann.

Also, solange es schön und frostfrei ist, kann man schneiden. Der Schnitt sollte aber bis zum Frühling, wenn die Bäume anfangen zu treiben, erledigt sein. Ein Obstbaumschnitt ist nicht so schwer, wie es oft behauptet wird. Viele trauen sich nicht ran und schneiden lieber gar nichts. Resultat – Krankheiten am Obst, viele Zweige, dichtes Laubwerk etc. Stell Dir mal vor, Du würdest ein Apfel sein inmitten so eines Baumes. Kannst Du da noch die Sonne sehen vor lauter Blätter? Und wie soll ein Apfel reifen, wenn er keine Sonne bekommt und ständig nass ist?

Für den Obstbaumschnitt gelten zwei Wachstumsgesetze. Wenn man sie kennt und richtig anwendet, hat man auch den Erfolg.

Wenn man im Herbst einen starken Rückschnitt macht, verstärkt der Baum im kommenden Jahr sein Triebwachstum. Er will ja das ersetzen, was abgeschnitten wurde. Dorthin wird er seine meiste Kraft lenken. An solchen Bäumen werden weniger Blüten und Früchte sein. Diese wenigen Früchte sind als Ausgleich aber größer. Insgesammt wird es aber keine reiche Ernte sein.

Macht man hingegen einen schwachen Rückschnitt, wird im Frühling die meiste Kraft des Baumes in die Blüten- und Fruchtbildung gehen. Der Ertrag steigt, aber die Früchte werden kleiner.

Ist wie eine Zwickmühle, aber wenn man diese zwei Gesetze kombiniert, wird man jedes Jahr eine einigermaßen gleiche Obsternte haben.

Zusammengefaßt bedeutet das soviel. Im Herbst einen schwachen Rückschnitt – fördert im nächsten Jahr die Blütenbildung.  Hat der Baum im nächsten Jahr gut abgesetzt, also viele Früchte gebildet, schneidet man mit dem Sommerschnitt (Ende Mai, Anfang Juni) den Baum stark zurück. Auch wenn dabei ein paar kleine Früchte mit verloren gehen. Die würde der Baum sowieso abwerfen wenn er sie nicht ernähren kann. Im Enddefekt bilden sich die verbleibenen Früchte besser aus.

Um dieses Gleichgewicht, man sagt dazu Alternanz, aufrecht zu erhalten, muß man seine Obstbäume beobachten.  Ist es ein Jahr mit großen Fruchtbesatz, schneidet man ihn im Frühling stark zurück. Ist es ein Jahr mit wenig Ertrag, werden nur die die Äste die nach innen wachsen und die Wasserschosser geschnitten.

Wer diese Regeln beherzigt, kann nicht viel falsch machen beim Schneiden. Viel falsch machen kann man beim Schneiden nur, wenn man keine richtigen Werkzeuge hat. Du kennst ja bestimmt die Gartenscheeren in den Wühlkörben für 2 EUR. Ich rate hier allen, die sich jetzt doch an das Schneiden der Obstbäme ranwagen, laß die Finger weg von den Billigangeboten. Wer damit schneidet, fügt dem Baum mehr Schaden zu, als ihm lieb ist.

Richtiges Werkzeug ist die Vorraussetzung für Erfolge !

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Etwas anders verhält es sich mit dem Schnitt von Spalierobst. Was das ist, wie es geht und was das für Vorteile hat, erfährst Du in einem anderen Artikel.

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