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Warum ist der Obstbaumschnitt so wichtig?

Die Aussage, ohne Obstbaumschnitt werden die Bäume nicht wachsen und Früchte tragen, ist falsch. Obstbäume wachsen auch ohne Schnitt, nur ist ihre Entwicklung dann nicht so, wie wir es gerne hätten. Das wirkt sich nicht nur auf das Aussehen der Form, sondern vor allem auf die Menge und Qualität der Früchte aus.

Um hochwertige, ansehnliche Früchte zu ernten, wie wir das inzwischen gewöhnt sind, wurden sie vor vielen Jahren „in Kultur“ genommen. Die Grundlage der Kultivierung war und ist das Beherrschen der Wachstums- und Wirkungsgesetze.
Kurz: Wenn ich durch bestimmte Schnittmethoden das Wachstum in gewisse Richtungen, sei es in eine Form, Richtung oder Fruchtbehang lenke, wie ist dann die Wirkung (Ergebnis).

Mit der Züchtung neuer Sorten ändert sich teilweise auch der Obstbaumschnitt. Man kann also nicht sagen, dass der Obstbaumschnitt der heutigen Zeit schon das „Non plus Ultra“ für die Zukunft ist.
Das sich die Schnittmethoden genauso ändern, hervorgerufen durch Züchtungen neuer Obstbaumsorten, beweisen schon alte Literaturen.

Obstgehölze sind inzwischen Kulturpflanzen

Kulturpflanzen deshalb, weil man ja diese Bäume nicht mehr naturgemäß heranwachsen lässt. Naturgemäß heißt, dass so ein Baum als Sämling an der Stelle der Aussaat ungehindert heranwachsen kann. Es dauert sehr lange bis er Früchte tragen würde und es besteht immer das Risiko, das er überhaupt welche trägt, mal abgesehen von der geringeren Qualität.

Deshalb werden heute nur noch veredelte Obstbaumsorten zu finden sein, die aus bestimmten Sorten auf bestimmten Unterlagen gezüchtet wurden. Das erfordert wiederum, dass man diese Bäume bis zum Erreichen der Altersgrenze oder wenn sie nicht mehr genug Früchte tragen, ständig betreuen muss.

Diese Erziehungsmaßnahmen beginnen schon bei jungen Bäumen und man nimmt dabei eine zeitweise Störung der Entwicklung in kauf, das aber später erwünschte Folgen hat. Das Schneiden der Obstbäume alleine reicht natürlich nicht. Vergessen darf auch nicht die Wässerung, das Düngen, das Auslichten und die Bekämpfung von Schädlingen.

Der erste Obstbaumschnitt beginnt mit dem Pflanzschnitt

Die meisten jungen Obstbäume werden nach wie vor aus Baumschulen geholt. Es gibt inzwischen auch schon Containerpflanzen. Allerdings beschränkt es sich da auf Säulen- und Spalierobst. Letzteres ist allerdings für das Bewachsen an vorgefertigten Hilfen, wie Drahtgeflecht oder Gestellen aus Holzlatten gedacht und werden meistens nur in waagerechter Bahn gezogen. Zusätzlich sind Containerpflanzen grundsätzlich teurer als Obstbäume aus der Baumschule.

Obstbäume aus der Baumschule verlieren beim Roden und später nach dem Pflanzen an dem endgültigen Standort einen beträchtlichen Teil der Wurzeln. Das bringt den Baum aber nicht um, auch wenn erst einmal das Wachstum stockt.
Mit diesem Pflanzschnitt wird wieder das Gleichgewicht zwischen den jetzt kleineren Wurzelballen und der Laubkrone, die ja die gleiche geblieben ist, wieder hergestellt. Wer sich das nicht zutraut, kann sich das gleich beim Kauf in der Baumschule schneiden lassen.
Dann aber sollte der Baum auch noch am gleichen Tag eingepflanzt werden.

Macht man diesen Schnitt nicht, dann treiben die Leitäste an ihren Spitzen kurze Seitentriebe, die meistens auch noch zahlreiche Blütenknospen hervorbringen. Am Rest der Leitäste, in Richtung Stamm, passiert nichts. Zur Freude unerfahrener Kleingärtner können sich sogar im kommenden Jahr schon Früchte bilden.

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Das alles hat aber einen Haken mit schwerwiegenden Folgen.
Die Leitäste, die ja eigentlich im Laufe der Jahre stärker im Durchmesser werden müssten, bleiben schwach und biegen sich unter der Last der Früchte. Die eigentliche Form eines Obstbaums, der ja wie eine Pyramide aussehen sollte, ist gestört.

Die Krone ist auseinander gefallen. Die Holztriebbildung ist sehr kümmerlich. Das liegt nicht an der Sorte eines Baums, wie viele denken. Es liegt am Ungleichgewicht zwischen dem zu kleinen Wurzelballen gegenüber der zu großen Krone, weil der Pflanzschnitt nicht gemacht wurde.

Man muss sich das so vorstellen. Dieser geschwächte Wurzelballen soll auf einmal neue Wurzeln bilden, um mehr Nährstoffe aufzunehmen, Fruchtansätze und neue Triebe bilden und ernähren. Und das ist eindeutig zu viel.

Im Enddefekt bleibt eine kleine Krone, die nicht viel Früchte trägt. Die Leitäste bleiben kümmerlich und zeigen keinen neuen Holztrieb. Schon spätestens nach drei Jahren ist die Krone vergreist.
Besonders schlimm wirkt sich das bei Kernobst aus und zwar bei allen drei Formen, wie Hoch- und Halbstämmen sowie bei Viertelstämmen.

Fazit: Nicht umsonst sollte auf einen Pflanzschnitt wert gelegt werden, denn dadurch wird eine triebkräftige Krone herangezogen.

Obstbaum – Erziehungsschnitt – Was ist das?

Diese Schnittmethode dient dem Obstbaum als Maßnahme für das Wachstum und der Fruchtbarkeit in den folgenden Jahren, damit immer genug qualitativ gutes Obst geerntet werden kann und ständig neues Holz gebildet wird. Denn besonders an jüngeren Holz entwickeln sich Früchte besser, als an altem Holz.

Die Intensität dieser Arbeit lässt aber im Laufe der Jahre nach, vor allem im Höhenwachstum, je älter der Baum wird. Die Schnittmaßnahme beschränkt sich dann auf das Triebwachstum. So wird altes abgetragenes Fruchtholz durch neues ersetzt, oder sogar neue Leitäste herangezogen.

Mit verschiedenen zusätzlichen Maßnahmen kann man auf die Fruchtbarkeit Einfluss nehmen. Kernobst hat die Eigenschaft ständig langes Fruchtholz zu bilden und muss deshalb ständig gekürzt werden. Besonders dann, wenn die Triebe sehr steil noch oben wachsen. Meistens geschieht das erst ab Mitte bis hin zur Spitze des Triebes. Um das etwas zu bremsen, werden diese Triebe so angebunden, dass sie fast waagerecht sind. Und es entsteht noch der Nebeneffekt, dass die Bildung von Fruchtholz am Rest des Triebes angeregt wird.

Allerdings kann man das Anbinden nur mit jungen Trieben machen, da sonst so ein Trieb auch schnell brechen kann, wenn er zu alt ist.

Das gleiche kann man auch bei Steinobst, z.B. beim Pfirsich anwenden. Auch hier sollte ein regelmäßiges Kürzen der Fruchttriebe erfolgen. Lange Fruchttriebe bilden übermäßigen Fruchtansatz mit kleinen Früchten und schnell ist der Baum bei der Versorgung mit Nährstoffen erschöpft. Lieber die Anzahl der Fruchtansätze verringern und somit die restlichen Früchte sich besser entwickeln lassen.

Außerdem wird dadurch eine teilweise Ausdünnung des Baums vorgenommen und somit werden genügend Reservestoffe für den Fruchtansatz für das kommende Jahr gespeichert.

Obstbaum – Erziehungsschnitt hat noch eine weitere Funktion

Einen sehr großen Nutzen, je besser sie die Aufgabe erfüllen können, haben die Blätter. Viele Kleingärtner wissen, das der Baum seine Blätter zur Assimilation braucht.
Stellt sich die Frage – Sind viele Blätter besser für die Assimilation?
Nein, im Gegenteil. Sie wird dadurch sogar beeinträchtigt. Eine Assimilation kann dann nur in ausreichenden Maß erfolgen, wenn die Blätter sich gut ausbilden können, gesund bleiben und viel Licht bekommen.

In zu dichtem Blätterwald können sich die Blätter nicht richtig ausbilden, weil einfach das notwendige Licht fehlt. Außerdem ist da kaum Luftbewegung und somit schafft man sich die besten Voraussetzungen für Krankheiten und Schädlingen.

Früchte in so einer dichten Krone können sich auch nicht so entwickeln, weil durch fehlendes Licht sich Aroma und Zuckergehalt nicht so richtig entwickeln können.
Zusätzlich ist die Entwicklung einer beschränkten Anzahl von Leitästen in einer locker gehaltenen Krone besser zu überwachen.

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Zusammengefasst heißt das:

  • Man kann und darf seinen Obstbaum oder Obstbäume sich nicht selbst nach dem Pflanzen überlassen. Mit dem Pflanzschnitt stellt man das Gleichgewicht zwischen kleineren Wurzelballen und der zu großen Krone wieder her. Dadurch legt man den Grundstein für eine triebkräftige Krone.
  • Den größten Anteil am Obstbaumschnitt nimmt der Erziehungsschnitt ein. Einmal, um ein kräftiges Astgerüst zu bekommen und zum anderen das Triebwachstum bis zum Lebensende des Baums ständig anzuregen. Nur so gelingt auch zusätzlich eine gleichbleibende Fruchtbildung.
  • Der Verjüngungsschnitt wird gleichzeitig mit dem Erziehungsschnitt ausgeführt. Er wird bei der Überwachung nur gelegentlich angewandt, um das gesamte Astgerüst offen zu halten.
  • Viel wichtiger bei der Überwachung ist dabei der ständige Fruchtholzschnitt. Damit reguliert man erstens die Belichtung der Blätter und Früchte und zweitens den Ansatz und die Versorgung der Früchte.

Soll Dein Obstbaum lange gesund bleiben und regelmäßig Früchte tragen, kommst Du ohne diese Schnittmaßnahmen nicht weit. Zu große Schnittmaßnahmen auf einmal, wie große alte Äste, verträgt er nicht immer gut. Dann lieber in Etappen schneiden, damit er sich erholen kann. Denn, so ein Obstbaum ist, wie alle anderen Pflanzen, ein lebender Organismus. Jeder Schnitt kommt einer „Operation“ gleich.

Links in diesem Artikel:

Assimilation  – Was Wikipedia dazu sagt

 

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