Biologische Spritzmittel – Rezepte aus der Kräuterkiste

Spätestens dann, wenn alles wieder grün ist, wächst auch der Befall von Schädlingen und Krankheitserregern. Und spätestens dann werden sich wieder viele Kleingärtner und Zimmerblumenbesitzer fragen:
Wie war das gleich mit den biologischen Spritzmitteln? Was muss ich gegen was einsetzen und wie wird es hergestellt? Ich möchte möglichst wenig oder keine chemischen Mittel einsetzen.

Verschiedene dieser Pflanzen kann man selber sammeln und gehören zu den sogenannten Un-Kräutern, wie Brennnesseln, Schachtelhalm oder Rainfarn. Andere wiederum, wie Wermut und Beinwell zählt man zu den Heilkräutern. Die meisten dieser Pflanzen werden komplett vor der Blüte genutzt. Nur der Rainfarn ist die Ausnahme. Er kommt erst zum Einsatz, wenn er blüht.

Einige Leser des Artikels werden jetzt sagen: Bis auf wenige dieser Pflanzen kenne ich die anderen Kräuter nicht.
Auch das ist kein Hindernis. Es gibt sie auch als getrocknete Kräuter im Gartenfachhandel, biologischen Spezialversand, Drogerien und Apotheken. Ob im getrockneten Zustand oder selber gesammelt, können die folgenden Rezepturen in der Wirkung immer schwanken. Das liegt am Wirkstoffgehalt, der jedes Jahr verschieden ist.

Fazit: Wirkung beobachten und selber probieren durch Veränderung der Rezepturen.

Brennnessel-Jauche

Stärkt die Widerstandskraft der Pflanzen und wirkt als Insektenabwehr.
1 kg frische Brennnesseln (Art spielt keine Rolle) werden in 10 l Wasser angesetzt. 100 – 200 g reichen bei getrockneter Brennnessel mit der gleichen Menge Wasser. Kein Metallgefäß verwenden. Holz-, Kunststoff- oder Steingefäß kann genommen werden.
Das Gefäß wird an einem sonnigen und warmen Platz aufgestellt und während des Gärprozesses mit einem Gitter abgedeckt, damit nichts hinein fallen kann. Ab und zu umrühren und nach drei Tagen müsste die Gärung abgeschlossen sein.
Um sie zu benutzen muss sie 10-fach verdünnt werden. Die Anwendung erfolgt entweder durch gießen im Wurzelbereich oder durch Sprühen der Blätter.

Beißende Brennnessel-Brühe

Das Ansetzen wird nach den gleichen Rezeptur gemacht. Nur darf sie nicht vergoren werden.
Sie bleibt 12 – 24 Stunden stehen, höchstens 3 Tage, da sie ein Kaltwasserauszug ist. Auch wird sie unverdünnt verarbeitet. Während man mit der Jauche die Widerstandskraft stärkt, werden mit der Brühe vor allem Blattläuse bekämpft. Je länger diese Brühe steht, umso mehr nimmt die brennende Wirkung ab.

Beinwell-Jauche

Die Rezeptur und das Vergären bis hin zur Anwendung ist gleich wie bei der Brennnesseljauche. Mischt man vorher Beinwell und Brennnessel um daraus die Jauche zu gewinnen, ist die Wirkung durch mehr verschiedene Inhaltsstoffe größer.

Ackerschachtelhalm-Brühe

Ackerschachtelhalm wird auch in manchen Gegenden Zinnkraut oder Katzenschwanz genannt. 1 kg frische oder 150 g getrocknete Pflanzen werden für 24 Stunden in 10 Liter Wasser eingeweicht. Danach lässt man sie etwa eine halbe Stunde leicht vor sich hinkochen. Nach dem Abkühlen wird sie durch ein Sieb gegossen.
Um diese Brühe einzusetzen wird sie 5fach mit Wasser verdünnt. Sie wirkt vorbeugend gegen Pilzkrankheiten und stärkt Pflanzen gegen Milbenbefall. Diese Schachtelhalm-Brühe kann ohne weiteres mit Brennnessel-Jauche gemischt und versprüht werden.

Farnkraut-Jauche oder Brühe

Es gibt zwei Arten, die man dazu verwenden kann. Das sind der Wurmfarn und der Adlerfarn. Je Art werden 1 kg oder 100 g getrocknete Pflanzen mit 10 Liter Wasser angesetzt. Da sie anschließend unverdünnt verwendet werden kann, wird sie vorzugsweise als Winterspritzung eingesetzt. Direktes Spritzen der Pflanzen oder Bäume hilft gegen Schmier-, Schild- oder Blutläuse.

Biolog. Gärtnern 1

Adlerfarn-Jauche

Sie kann schon im Vorfrühling verwendet werden. Dazu muss man sie allerdings 10fach verdünnen, um sie dann durch Spritzen gegen Blattläuse einzusetzen. Den Rest des Jahres wird sie unverdünnt auf die Pflanzen oder auf den Boden verteilt und wirkt dann gegen Schnecken.
Die Jauche hat auch noch einen weiteren Vorteil. Sie hat einen hohen Kaligehalt und kann deshalb auf den Kompost gegeben werden, um Kalimangel auszugleichen.

Rainfarn-Brühe oder-Jauche

Der Name Rainfarn täuscht etwas. Er gehört nicht zu den Farnkräutern. 300-500 g frische Pflanzen oder 30 g getrocknetes Kraut und 10 Liter Wasser genügen, um Brühe, Jauche oder Tee anzusetzen. Im Winter wird sie unverdünnt auf die Pflanzen gespritzt. Nach der Blüte wird sie 2fach mit Wasser verdünnt und wirkt vor allem gegen Erdbeermilben, Erdbeerblütenstecher, Brombeermilben, Blattwespen, Himbeerkäfer, Mehltau und Rost.
Wenn man Rainfarn-Brühe mit Schachtelhalm-Tee mischt und noch 100 g Kochsalz hinzu gibt, dann hat man ein Spritzmittel gegen die Blattfleckenkrankheit von Kartoffeln und Tomaten.

Rainfarn wurde früher oft als Brühe gegen Würmer als Hausmittel verabreicht. Inzwischen weiß man, dass es nicht ungefährlich sein kann, weil es toxische Stoffe enthält. Deshalb dürfen Kinder auf keinen Fall davon trinken.

Wehrmut-Jauche oder Brühe

Wird aus 300-500 g frischem oder 30 g getrockneten Kraut mit 10 Liter Wasser hergestellt. Im Frühling wird die Jauche unverdünnt gegen Säulchenrost an Johannisbeeren, Brombeermilben, Blattläuse, Raupen und Ameisen auf die Blätter gespritzt.
Gegen Blattläuse und Apfelwickler wird sie 3fach verdünnt als Tee im Juni bis Juli eingesetzt. 2fach verdünnt wird sie als Brühe im Herbst gegen die Brombeermilbe verspritzt.

Tomaten-Auszug

Wirkt sehr gut gegen die Raupen und Schmetterlinge des Kohlweißlings. Deshalb wird der Auszug nur zu der Flugzeit der Schmetterlinge eingesetzt. Dazu werden zwei Hände voll Tomatenblätter und ausgegeizte Seitentriebe benötigt. Das frische Material wird zerdrückt und muss in 2-3 Liter Wasser für 3 Stunden ziehen. Alle zwei Tage wird dieser Auszug mit einer Gießkanne über die Kohlpflanzen gegossen.

Knoblauch-Zwiebel-Jauche

Diese Jauche wird mit 500 g Zwiebeln und Knoblauch mit 10 Liter Wasser angesetzt. Ist sie vergoren, wird sie 10fach verdünnt und auf Beete und Baumscheiben gegossen. Sie steigert die Abwehrkräfte gegen Pilzerkrankungen vor allem bei Kartoffeln und Erdbeeren.
Man kann Jauche nur aus Zwiebeln oder nur aus Knoblauch herstellen und anwenden, aber sie können auch gemischt werden. Eine noch etwas größere Wirkung kann man erzielen, wenn Blätter der schwarzen Johannisbeere darunter gemischt sind.

Auch die sonst kaum beachteten Zwiebelschalen können als Spritzmittel gegen Milben und Pilzkrankheiten wie Tomaten- und Kartoffelbraunfäule ihre Wirkung haben. Diese Brühe bekommt man, indem 20-50 g Schalen in 1 Liter Wasser 4-7 Tage liegen bleiben. Sie kann unverdünnt gespritzt werden.

Zwiebeln

Schmierseifen-Lösung

Ist hauptsächlich als Bekämpfung gegen Läuse bekannt. Wichtig ist, dass reine Schmierseife ohne jegliche Zusätze genommen wird. Bekommt man meistens in Drogerien. Sie wird 2%ig mit Wasser angesetzt.
Eine weitere Art ist eine Spiritus-Seifen-Lösung um Läuse zu bekämpfen. Hier werden 200 g Schmierseife in heißem Wasser aufgelöst und dann mit 10 Liter Wasser verdünnt. Dazu wird noch 1/3 Liter Brennspiritus gegeben.

Biologisches Gärtnern beschränkt sich nicht nur auf die Bekämpfung von Schädlingen und Pilzen, wenn die Pflanzen schon befallen sind. Was man vorbeugend machen kann, damit der Befall durch Schädlinge und Pilze in Grenzen gehalten werden kann, erfährst du im nächsten Beitrag.

Ach hier kannst du Garten- und Blumentipps finden:

Facebook

You Tube

Wenn dir die Rezepte für biologische Spritzmittel gefallen haben, dann klicke auf Gefällt mir, teile den Artikel und schreibe einen Kommentar.

Wenn du die nächste Folge nicht verpassen möchtest – Melde dich für meinen Newsletter an.



www.hagebau.de

This article has 2 comments

  1. Karola Reply

    Danke für diese Infos. Bei der Brennessel-Jauche bin ich allerdings vorsichtiger, da Jungpflanzen wie mir scheint empfindlich reagieren und welken. Ich mische die fertige „Brühe“ auch mit zehn Liter Wasser. Ich nehme an, das ist mit 10-fach gemeint. Ich meine vor ein paar Jahren kam auf Arte ein Beitrag über Verbot der Brennessel-Jauche in Frankreich. Ist das bei uns eigentlich noch offiziel erlaubt?

    • Gerhard Minsel Reply

      Bei Jungpflaqnzen ist es immer besser die Jauche mehr zu verdünnen. Ich wüsste nicht, dass es bei uns verboten ist, Jauche herzustellen. Außer der Nachbar beschwert sich, wegen Geruchsbelästigung. 😉 Denn es wird nach wie vor empfohlen. Außerdem bekommt man Brennnessel ja schon im getrockneten Zustand. Man muss sie also nicht unbedingt aus der Natur nehmen.
      Danke für den Kommentar

      LG Gerhard

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.